Kultur des Kastanienbaums

Mit diesem Wort kann man gewissermaßen eine Art integriertem Mikro-Ökonomie beschreiben, die typisch für Gebirgssiedlungen ist, und die aus vielen Merkmalen noch gespürt werden kann. In diesem Wirtschaftssystem wurden kleine Grundstücke mit verschiedenen Bestimmungen nebeneinandergestellt, damit die Gemeinschaft überleben konnte: deswegen wurden dem Kastanienwald das Weideland und dem Schlagholz die Gemischtkultur auf Terrassierungen hinzugefügt. Damit hatte man eine beträchtliche Bevölkerungsdichte und eine erhebliche Parzellierung des Eigentums erreicht. Heute noch vermittelt die Naturwelt, auch wenn in ihren winzigsten Komponenten umgeändert, durch die einfachen Umrisse der Trockenmauerwerke ein harmonisches Gefühl von Gleichgewicht.

Der Kastanienbaum war aber und teilweise bleibt er noch der wirkliche Protagonist dieser Region, ein richtiger albero del pane (Brotbaum, das heißt das Hauptnahrungsmittel), auf dem alle wirtschaftlichen Tätigkeiten, die Nahrung und die sozialen Beziehungen basierten. Die Einwohner der verschiedenen Dörfer paßten sich, was ihre Lebensgewohnheiten betraf, dem natürlichen und pflanzlichen Tempo an: z.B. bei der Pflege des Walds, der Ernte der Früchte, der Versorgung des Holzes für die Herstellung von Werkzeugen, der Gewinnung von Tannin für die Häutegerbung.