Das Tal ist eng und liegt mitten in der Appenninenkette. Niederschläge sind sehr heufig. Nachdem es zuerst von den Bäumen der großartigen Wäldern und danach von den Kieselsteinen gefiltert worden ist, fließt das Wasser in thausend Bächen ab, die dann Gräben und Sturzbäche werden, bevor sie sich schließlich in den Arno ergießen.
Der Wasserreichtum im Casentino ist allgemein bekannt. Mastro Adamo, der von Dante zur Hydropsie und ewigem Durst verurteilte Falschmünzer, ist von li ruscelletti che da verdi colli del Casentin discendon giuso in Arno [den Bächen, die von den grünen Hügeln in den Fluß Arno hinabfliessen] besessen.
Und der Arno entspringt wirklich im Casentino, am Hang des Falterona Gebirgs, wo es nicht seine Quelle sondern seinen Kopf gibt. Denn der Arno ist nicht nur der Fluß, der langsam an Pisa und ans Meer gelangt, sondern auch der, der flink und schnell das Casentino Tal teilt, bevor er "torcere il muso agli aretini" [den Aretinern ein schiefes Maul macht].
Was die Oberfläche betrifft, teilt der Fluß wirklich das Tal von Norden nach Süden in zwei fast gleiche Teile, die aber auf eine bestimmte Weise anders sind, was die Landschaft und die Menschen angeht: ein Beweis dafür besteht nämlich in der Tatsache, daß es sich auch gewisse Charakteristiken der Gastronomie von Ort zu Ort ändern.
Der Fluß Arno hat immer das Leben der Menschen beeinflußt, die ihn am Anfang vermeidet haben, als er noch ungesund und unsicher war. Dann haben sie aber ihn gesucht, als er ihrem Handel und ihrem Leben selbst nützlich wurde.
Seit dem fünfzehnten Jahrhundert gelangten die großen Tannenstämme der Casentino-Wälder auf dem Wasserweg in Florenz. Die Baumstämme wurden zu diesem Zweck in Flößen zusammengebunden, die foderi genannt werden.
Nachher, gegen Ende des achtzehnten Jahrhundert, betrieben seine fließenden Gewässer die Walkmühlen und damit auch die Maschinen der ersten Wollwebereien des ganzen Großherzogtums von Toskana, die den berühmten panno-Casentino (eine besondere Art Wollstoff) produzierten.
Mensch und Fluß standen also in einer nicht immer einfachen Beziehung zueinander, wie zum Beispiel im Jahre 1966, als nicht nur Florenz überflossen wurde. Um das Casentino-Tal gut zu kennen und zu verstehen, ist es wichtig etwas über seinen Fluß zu erfahren. Der Fluß Arno kann man zum Beispiel in Poppi, aus dem Schloß, bemerken, während er durch das Flachland nach Bibbiena fließt, oder in Pratovecchio, am Ufer, die Mauer des alten Klosters entlang oder auf dem Falterona selbst, bei Capo dArno.