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"...Ecco il solo paese della provincia ove il tuo animo si apre ad un conforto, perchè così vede le forze della natura chiamate dall’arte a contribuire all’industria di una intiera popolazione ..."
["... Hier ist das einzige Dorf der Provinz, wo deine Seele Trost findet, indem sie die Naturkräfte betrachtet. Diese Kräfte werden von der Kunst gerufen, damit sie bei den Beschäftigungen einer ganzen Bevölkerung mitwirken können ..."]

© Bild: Andrea Barghi
Mit solchen begeisterten Wörten äußerste sich der Calendario Casentinese im Jahr 1840, als Bestätigung einer besonders lebhaften finanziellen und sozialen Situation, wo die verfügbaren Mittel und der Überfluß an natürlichem Reichtum, vor allem Wasser, waren unersetzbare Voraussetzungen dafür.

Stia befindet sich gerade am Zusammenlauf von zwei Wasserlaüfen: Staggia und Arno, deshalb an einer begünstigten Lage, irgendwie einzigartig, fast sakral, wie die romanische Pfarrkirche zur Santa Maria Assunta, nicht weit von Stia, selbst zeigt. Auch die Auffindungen, die unterhalb des derzeitigen Fußbodens durchgeführt wurden, sind Beweis für noch ältere Kultverfahren.

Neben dem mythischen-religiösen Aspekt ergab sich sicherlich der wirtschaftliche-praktische Aspekt gleich von Anfang an: das Wasser war eigentlich das unentbehrliche Element, um die Hauptbedürfnisse des Menschen zu befriedigen und für dessen zahlreiche Produktionstätigkeiten.

Jahrhundertelang hat das Wasser des Wildbaches Staggia Räder getrieben und primitive Getriebe von Mühlen, Eisenwerken, Papierfabriken, Walkmühlen, in Bewegung gesetzt.

Die Schmiede- und im besonderen die Wollbetriebe, dank dem Überfluß an Rohstoff, waren in dieser Zeit so erfolgreich, daß sie später zur wirtschaftlichen und sozialen Haupttriebkraft der Gemeinschaft wurden. Die alten Werke, die am Wildbach entlang enstanden sowie die Wollwerkstätten, wurden zu der im eigentlicheren Sinne des Wortes gemeinten Industriezeit von der Wollfabrik ersetzt, wo in einem einzigen Gebäude der gesamte Bearbeitungsvorgang konzentriert war.


© Bild: Andrea Barghi
In der Fabbrica, wie das Werk in Stia noch genannt wird, haben sogar mehr als 500 Menschen verschiedener Generationen von Männern und Frauen gearbeitet. Die Wollfabrik hat sowohl Blütenzeiten (amtlicher Lieferant des königlichen Hauses) als auch Untergangszeiten erlebt, bis zur endgültigen Stillegung am Ende der ‘50er Jahre.
Der Städtebau und die architektonischen Räume des Dorfes zeigen trotzdem noch diese Identität, die noch nicht ganz verlorengegangen ist: an erster Stelle der alte Markt, derzeitiger Piazza Tanucci, Sitz der alten Wollkunstwerkstätten. Dieser Platz wird mit Recht einer der schönsten Plätze Italiens genannt.

Vom Platz, zivilem und religiösem Herzen des Dorfs, durch Vicolo dei Berignoli, kommt man zur Wollfabrik, sicherlich das interessantste Beispiel von industrieller Archäologie des Tals, mit dem nebenan stehenden Gebäudekomplex der Färberei und der imposanten Kanalbrücke, die vom großherzoglichen Inspektor Karl Siemon bauen lassen wurde.

Vom Textilwerk hin führt uns ein moderner Laufsteg auf dem Wildbach Staggia zu einer neuen Realität, wo das Wasser nochmals die Hauptrolle spielt: der Thermalkomplex Fonti di Calcedonia.

Ein Segel aus Lamellenholz steht dem Gebäude vom Palagio Fiorentino gegenüber, eine neugotische Rekonstruktion aus dem Anfang des Jahrhunderts von dem alten Festungswerk.

Die Burg ringsum, wo originale Stücke neben Rekonstruktionen und Erfindungen in mittelalterlichem Stil stehen, befinden sich noch interessante Bildhauerwerke und Pflanzen, die uns an die Atmosphären des romantischen Gartens erinnern.

Diese hypothetische Rundfahrt endet auf dem anderen Hauptplatz des Dorfs: Piazza Mazzini, von der einheimischen Bevölkerung al gioco genannt, da ein Fußballplatz früher dabei war.

Die meisten Gebäude, die auf der Stauung vorspringen, wie auch das Theater, wurden gerade für die Arbeiter der Wollfabrik gebaut. Das ist daher ein kleines Beispiel industrieller Stadt und vielleicht auch ein Grund mehr, um Stia als das kleine Manchester von Casentino zu beschreiben, wie jemand Stia ironisch genannt hat.

In der Nähe von Stia, auf den Hügeln, die mit deren steilen Profilen den Monte Falterona wie eine Krone umschließen, finden wir noch zwei bedeutende Siedlungen als Ergänzung des Talsohledorfs: das Schloß von Porciano, unter dessen Schutz Stia gegründet wurde und sich als Markt entwickelte, und die Wallfahrtskirche zur Santa Maria delle Grazie. Kultstätte im Grünen des Landes und geistliches Zentrum für sämtliche Dörfer auf dem Lande, wurde sie laut der Tradition nach dem Erscheinen der Muttergottes gebaut.


© Bild: Andrea Barghi

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